Koffer packen

Ich packe meine Koffer und nehme mit …

meine Tochter, meine Behinderung, meinen Mut, mein Leben in den eigenen Händen.

Du willst mit deiner Behinderung auf Berge steigen? Das geht nicht!“

Der Machu Pichu in Peru, der Fox Glacier in Neuseeland, Fuji San in Japan, Chatién Vulkan in Chile, die Atacamawüste, die Anden, der Südpazifik vor den Fidschis, die Hebriden, Karibikinseln… ich habe Berge, Vulkane und Gletscher bestiegen, die Wüsten und Gebirge durchquert, bin auf den Meeren gesegelt und habe auf den Inseln getanzt. Ätsch, geht also doch!

Ich bin schon immer viel und gerne gereist. Ich war Fotografin, hatte das Diplom vor Augen und dann die Diagnose Epilepsie: Immer wieder und unvorhersehbar durchzuckt eine Ladung Elektrizität meinen Körper.

Die Krankheit annehmen, Verzweiflung verdauen, Wut in Energie umwandeln und Leben lernen mit der Behinderung, seit 7 Jahren.

Dabei war das Reisen meine Therapie. Einen Anfall kann ich auf dem Wochenmarkt in Berlin genauso wie auf dem La Vega in Santiago de Chile bekommen … Wollte ich mir mit der Weltreise 2011 selbst etwas beweisen? Sicherlich. Aber vor allem wollte ich die Welt sehen, die Sehnsucht nach Weite befriedigen und bei mir ankommen.

Und jetzt?

Seit einem Jahr bin ich Mutter. Ella-Lou bestimmt seit dem mein Leben. Wir bestehen den Alltag, zusammen mit ihrem tollen Papa und unseren Familien, mit allen Höhen und Tiefen wie alle anderen auch. Aber nur Alltag?!

Als Mama musst du sesshaft werden.“

Vor keiner Reise war ich so aufgeregt wie beim Kauf der Einbauküche und des Ledersofas – keine Gegenstände, die ich einfach in den Koffer schmeißen kann und weg … Ebenso wenig wie meine Tochter.

Aber reisen mit Tochter geht. Oder?

Versuch macht klug. Rucksack, Tabletten und Windeltürme für 2 Monate packen. Am 6.10. geht’s nach La Réunion, den GR-R2 wandern – wenn Lou, die „Elektrizität“ und die Vulkangeister mich lassen –, danach Mauritius entdecken und am Ende Familienurlaub mit Papa.

Reisen macht mich lebendig, ist ermüdend, aufregend, nüchtern und immer wieder anders. Reisen mit Epilepsie ist erprobt. Wie ist das Reisen mit Kind? Vor Ella-Lous Geburt war ich Backpacker auf Weltreise mit dem EXTRA KOFFER Epilepsie. Und jetzt Backpacker-Mama mit ´nem EXTRA KOFFER Windeln?!

Das Unterwegs-Sein wird gerne romantisch verklärt. Aber reisen ist nicht Urlaub: kein all-inclusive, kein Zimmerservice, kein Kleiderschrank für 2 Wochen. Reisen ist limitiertes Gepäck, Unterkunft suchen, Transport organisieren – Spontanität als Regel.

Dauerhaftes Unterwegssein bedeutet nicht dauerhaftes Glück. Und den EXTRA KOFFER -Kind und Krankheit- muss ich am Ende ohnehin selbst tragen.

Ziel ist kein Land, kein Gipfel. Ziel sind Ella-Lou und ich! Kann ich mit meiner Tochter reisen? Möchte Lou reisen? Wird es schön, anstrengend, begegnungsreich? Wie groß ist mein Bewegungsradius? Wie groß wird Lous Radius? Wie unabhängig kann man in dieser wunderbaren Mama-Tochter-Abhängigkeit sein? Reisen mit Behinderung bedeutet Sicherheitsnetze spannen. Und reisen mit Kind? Wie groß und schwer wird der EXTRA KOFFER?

2 Gedanken zu “Koffer packen

  1. Liebe Paula, ich bewundere dich für deinen Mut und für deine Ehrlichkeit. Ich wünsche dir und Lou eine wunderbare Reise. Ich bin mir ganz sicher, dass du deinen Weg gehst und Lou voller Offenheit diese Welt mit dir entdeckt. Ich kenne den Wunsch, der dich vorantreibt und finde es wundervoll, dass du ihn folgst. Du bist so voller Lebendigkeit und Leben – trage es in die Welt hinaus. Alles liebe Halina

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s