L‘ hermitage-Les-Bains

In der Nacht haben sie in unserem Viertel „Sozialkrieg“ gespielt und Krawall veranstaltet. Wir müssen hier raus. Sofort öffne ich google und suche nach einer bezahlbaren Möglichkeit dieser Vorhölle zu entkommen. Ich telefoniere links und rechts. Lou ist anstrengend. Gleichzeitig versuche ich unsere Sachen zusammen zu packen. Lou immer mittendrin. Essen sollten wir auch noch etwas. Ah und jetzt auch noch Stromausfall. Und draussen ist es so laut, dass ich nichteinmal denken kann.

Wir können nicht einfach auf unserem Koffer zum Strand reiten und auf das Beste hoffen?! Vor Ella-Lou habe ich genau das getan – und es hat immer funktioniert. Extrakoffer! Also Sicherheitsnetz! Innerhalb weniger Minuten habe ich auf air-bnb ein Zimmer in Strandnähe bei einer Familie gebucht. 70Euro. Egal. Das wird keine zwei Wochen gehen aber ich will uns hier wegbringen. Ich rufe Idris an, er kommt uns in einer Stunde abholen. Genug Zeit um alles zu packen. Ich beziehe Lou mit eine uns sie schmeisst unter lautem Jauchzen alles was sie finden kann in den Koffer – so geht’s auch.
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Um St. Denis nicht mit einem üblen Nachgeschmack zu verlassen geben wir der Stadt noch eine Chance und bestellen einen echt französischen Croque Messieurs. Er schmeckt und beiden nicht…
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Das Telefon klingelt, Lou’s Freund Patrick hat uns eine Unterkunft organisiert. Ein Surferkumpel, der manchmal an Surferkumpels vermietet, er wüsste, dass ich Lou mitbringe. Denkt der Lou ist ’ne Surfboard Marke? 100 Euro die Woche und ein paar Mal den Kühlschrank füllen. Kaum aufgelegt ruft ein anderer an, er hätte die Nummer von einem Freund, er könne uns einen Strandbungalow für 55 Euro-Freundschaftspreis anbieten. Da kommt noch eine Mail von Nadia, das Zimmer bei Ihrer Familie würde nur 55 Euro kosten, da sie mit den Arbeiten noch nicht ganz fertig sei. Ahh, ich krieg die Kriese! Billige Surferbude mit Beachbar-Nähe in einer größeren Stadt, Familienzimmer in Strandnähe in einem kleineren Ort oder Strandbungalow mitten im Nirgendwo. Ich schwöre, noch vor einem Jahr hätte ich die zweite Option nicht einmal in Erwägung gezogen.

image40 Minuten später sitze ich bei Nadia auf der Terrasse, trinke Yogitee, Ella-Lou spielt mit ihrer Tochter und ihr Sohn übt Klavierspielen. Hier sind wir richtig.

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Noch am Nachmittag haben wir eine Miete von 40 Euro ausgemacht und so gönne ich mir mit Lou einen Sundower und ein formidables Ciri, das typisch kreolische Essen dieser Insel.

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Der Tag war wunderschön, wir sind an einem paradiesischem Ort, nette Menschen um uns herum, Lou ist glücklich. Wieso ich nicht? In mir ist eine Schwere. Ok, der Start war holprig, es ist anstrengender zu zweit und am Anfang einer Reise gibt es immer erst einmal ein „Ankommenstief“. Aber dieses Gefühl ist anders. Es sitzt in meinen Knochen und beschwert meine Seele.

Ein Gedanke zu “L‘ hermitage-Les-Bains

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