Salz auf unserer Haut

Ella-Lou bestimmt, dass wir zwischen 7 und 8 Uhr aufwachen. Aufstehen können wir erst eine halbe Stunden später, Kuschelzeit! Ihr ziehe ihr die Windel aus und mir den Bikini an. Spätestens halb acht wäscht uns der Indische Ozean die Nacht aus den Haaren.

Auf dem Rückweg zum Haus begegnen uns Schulkinder, artig sagen sie „Bonjour“, wenn sie an uns vorbei radeln. Der Nachbar führt seinen Hund aus und eine Gruppe Omis trifft sich zum Frühsport, man grüßt sich höflich. Am Strand sind zu 95% Familien, der Bäcker kennt uns schon. Wieder am Haus versucht Ella-Lou Yogi, den Kater, zu fangen und ich bereite uns frisches Baguette mit Himbeermarmelade aus Omas Garten zu. (Diese war eigentlich als Mitbringsel für Idris gedacht, aber meiner Meinung nach hat er sich so etwas leckeres nicht verdient.) Die Sonne wird langsam stärker, wir sitzen im Schatten auf unserer Terrasse, das Salz bildet Kristalle auf unserer Haut, eine seichte Briese weht, Lou liegt bäuchlings auf den warmen Steinen und knabbert ihr Baguette, ich studiere die Wanderkarte und schmiede Pläne und alles, alles ist wie es sein soll.

Wäre da nicht die ätzende Unruhe und Unzufriedenheit in mir. Ich bin immer noch irgendwie gestresst. Hallo, das Wort Stress an diesem Ort überhaupt in den Mund zu nehmen, geht’s noch? Dafür bin ich ja nun wirklich nicht hier, um mich gestresst zu fühlen. Aber ich bin es. Ich sitze hier in einem wunderschönen Garten, das Meer nebenan, wunderbare Menschen um mich herum, aber eines nervt mich tierisch: ich sitze. Ich bewege mich nicht. Mein Reiseführer berichtet über unzählige wunderbare Wanderrouten, süße kleinen Fischerstädtchen und tolle Aussichtspunkte… alles nur ein paar Kilometer mit dem Auto. Grrrr, ich kann es schon nicht mehr hören „Oh das müssen sie sehen, aber ohne Auto, keine Chance.“

Also versuche ich uns eine Route über die Insel zu planen, die mit dem Bus möglich ist. Alle drei Nächte eine andere Unterkunft, ein Tag ankommen, zwei Tage die Gegend erkunden und am vierten weiterziehen, schliesslich haben wir ja genug Zeit.
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Aber die falsche Zeit, wie sich schnell rausstellt. Es ist Hochsaison, die Flieger spucken ohne Ende Herbstferien-Reisende auf die Insel und die Unterkünfte die ich noch vor ein paar Wochen in Deutschland auserkoren hatte, sind längst ausgebucht. Mit dem Auto ist das alles kein Problem: man ist in sechs Stunden einmal die komplette Insel umfahren. Der normale Reisende sucht sich zwei Unterkünfte, eine zum Wandern und danach eine am Strand. Alles andere wird mit dem Auto verbunden. Misst, misst; misst. Ich hasse diese Abhängigkeit. Manchmal träume ich vom Autofahren. Ob ich es je wieder kann? Und einmal mehr fällt mir auf, wie viel wir als selbstverständlich hin nehmen und wie schwer der Extrakoffer manchmal ist.

Auf den Fijis hat mir eine Voodoofrau gesagt, ich soll die Dinge nicht nur akzeptieren oder hinnehmen. Unangenehme Umstände soll ich aktiv annehmen, nur so könne sich etwas ändern. Lou und ich fühlen uns bei Nadia sehr wohl, wir können nicht grossartig von A nach B reisen und Idris hat versprochen uns ab dem 27.11 etwas herumzufahren bzw. Fahrer zu organisieren. Also habe ich mit Nadja etwas verhandelt und wir bleiben ganze drei Wochen in L’Ermitage. Zurück nach St. Denis bekommt uns keiner.

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Nadia hat mir ihr Fahrrad geliehen, ich klemme unseren Sportex dahinter und wir erkunden auf diese Art die Gegend. Die Radwege sind phänomenal, der Himmel für Rennradfahrer. Aber mit einem klapprigen Mountainbike und Kinderanhänger die Berge hoch und runter… die Salzkristalle auf meiner Haut kommen an diesem Nachmittag nicht vom Meer.

Also, liebe Fiji-Voodoo-Frau, die nächsten Tage werde ich aktiv diese nicht sehr aktive Situation annehmen und versuchen sie so aktiv wie möglich zu gestallten. Denn mal ganz ehrlich, für einen Standurlaub hätte auch Ägypten gereicht.

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