Epilepsie

Epilepsie (von altgriechisch ἐπίληψις epílēpsis „Angriff, Überfall“) ist die häufigste chronische Krankheit des zentralen Nervensystems. Etwa 5 % aller Menschen haben im Laufe ihres Lebens einen epileptischen Anfall. Eine aktive Epilepsie entwickeln in Europa etwa 0,6 %, dies entspricht in Deutschland ca. 500.000 Menschen. Ein einzelner epileptischer Anfall ist also noch keine Epilepsie. Die Begriffe „epileptischer Anfall“ und „Epilepsie“ sind daher klar voneinander zu trennen.

Komplexe Prozesse im Körper führen zu einem epileptischen Anfall. Elektrische und chemische Signale, die genau aufeinander abgestimmt sind, bestimmen im Normalfall die Tätigkeit der Nervenzellen des menschlichen Gehirns. Durch eine Störung entladen sich bei einem epileptischen Anfall viele Nervenzellen gleichzeitig und reizen entweder einzelne Hirnregionen oder beide Gehirnhälften. Dieser ungewohnte Impuls führt zum epileptischen Anfall. Seine Erscheinungsform und Ausprägung hängt von der jeweils betroffenen Gehirnregion ab. Einfach und anschaulich wird es hier erklärt: https://www.youtube.com/watch?v=lkjkcg0WdxA

Der Grand mal Anfall ist wohl der bekannteste Anfall. Mit ihm werden Epilepsien in der landläufigen Meinung verbunden. Er verursachte die Bezeichnung “Krampfanfall” und zeichnete in den Religionen das Bild: „von einem Geist/ dem Bösen besessen zu sein“.

Der Grand mal Anfalls verläuft in verschiedenen Phasen. Oft gibt es eine Art Vorgefühl (Aura). Diese kann Sekunden bis Minuten andauern. Bei einer bekannten Epilepsie, kann sich der Patient durch dieses „Warnsignal“ in eine sichere Lage bringen bzw. sein Umfeld von dem bevorstehenden Anfall informieren.

In der nächsten Phase versteifen sich plötzlich sämtliche Muskeln des Körpers gleichzeitig. Der Patient ist bewusstlos. Durch die Muskelversteifung kommt es beim stehenden Patienten zum Sturz, je nach Atemlage wird die Luft aus der Lunge durch die geschlossene Stimmritze gepresst, dies verursacht den „Initialschrei“, u.U. beißt sich der Patient auf die Zunge. Da beim Sturz Abwehrreflexe fehlen, kann es zu schweren Verletzungen kommen.

In der dritten und für den Betrachter sichtbaren Phase, ziehen sich die Beuger und Strecker in rhythmischen Abständen abwechselnd zusammen, es kommt zu rhythmischen Zuckungen, nicht nur der Arme und Beine, sondern auch z.B. der Zunge, wodurch Schaum vor den Mund treten kann. Die Atemmuskulatur wird nicht ausreichend eingesetzt, so dass es zur Blauverfärbung der Lippen, ggf. auch des Gesichtes kommen kann.


In der Erholungsphase versinkt der Patient in einen Tiefschlaf. Das Gehirn hat sehr viel Energie verbraucht, die Nervenzellen sind entladen.


Der einzelne Anfall ist selbstlimitierend, d.h. er hört in der Regel ohne äußeres Zutun wieder auf. Das “Blauwerden” ist kein Zeichen für absterbende Hirnzellen, es ist nicht nötig, den Patienten zu beatmen. In der tonischen und der klonischen Phase des Anfalls ist eine Beatmung gegen den Muskeldruck auch nicht möglich. Wenn es zu einem Zungenbiss (selten!) kommt, dann in der ersten Phase, d.h. noch bevor jegliches Eingreifen möglich ist.

In der Regel wird eine Behandlung mit speziellen Arzneimitteln, sogenannten Antiepileptika, empfohlen. Anfallsfreiheit ist das primäre Ziel der Epilepsie-Behandlung, das bei bis zu etwa 80 Prozent der Patienten erreicht werden kann. Ob Anfallsfreiheit tatsächlich erreicht wird, hängt stets von der Ursache der Erkrankung und der Epilepsie-Form ab. Ist es nicht möglich, epileptische Anfälle komplett zu verhindern, sollen im Rahmen der Behandlung zumindest ihre Häufigkeit und Stärke gesenkt werden. Beeinträchtigende Nebenwirkungen sollten dabei entweder gar nicht auftreten oder möglichst gering sein.

Können die Anfälle auch nach zwei bis drei Therapieversuchen mit geeigneten Medikamenten nicht befriedigend kontrolliert werden, wird untersucht ob ein operativer Eingriff für den Patienten sinnvoll und möglich ist. Dabei wird die Hirnregion, von der die Anfälle ausgehen, entfernt und damit auch die Ursache der Epilepsie.

Reisen mit Epilepsie ist kein Problem, der Urlaub sollte nur möglichst langfristig und optimal geplant sein. Während der Reise ist es ratsam, den Internationalen Epilepsie-Notfallausweis (IENA) für Außenstehende leicht auffindbar am Körper zu tragen.

Allgemeine Reisetipps bei Epilepsie: Reise langfristig und gut planen, Die Reiseplanung mit dem Arzt besprechen, insbesondere bei Fernreisen mit Zeitumstellung, Ausreichenden Vorrat an Medikamenten mitnehmen, Medikamente sicherheitshalber auf mehrere Gepäckstücke verteilen, Genügend Medikamente im Handgepäck mitnehmen, Medikamente immer in Originalverpackung mitnehmen, um den optimalen Schutz zu gewährleisten und im Notfall schnell Ersatz zu bekommen, Adressen von Fachärzten/Kliniken vor Ort recherchieren, Internationalen Epilepsie-Ausweis (IENA) mitführen, Mitreisende über die Epilepsie informieren

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